In aller Munde…

Vor kurzem hat uns Maria Luise Stübner besucht und uns allerhand Sachen gefragt – neugierig hat sie uns gelauscht und einen sehr schönen Bericht für die Zeitung geschrieben.


SoLawi: Erste Saison erfolgreich gemeistert

Freuen sich über eine gute erste Saison: Petra Hagen und das junge Betriebsleiter-Ehepaar Markus und Sophia Hagen mit Sohn Gustav und Töchterchen Ida (von links). (Foto:  Maria Luise Stübner )

Sigmarszell sz Es ist Herbst. Petra Hagen erntet im Foliengewächshaus Paprika, ihr Sohn Markus ist draußen auf dem Feld beim Rotkraut, seine Frau Sophia hat beim Arbeiten das sechs Monate alte Töchterchen Ida im Schlepptau, während der dreijährige Gustav aufmerksam zuhört, als seine Eltern erläutern, was hier auf dem Hagen-Hof in Sigmarszell-Heimholz so alles wächst und gedeiht.

„Wir haben noch Brokkoli“, ergänzt er deren Ausführungen zu den rund 30 angebauten Sorten, darunter Blumenkohl, Wirsing, Rosenkohl, Zwiebeln, Rettich, Rote Beete, Auberginen, Paprika, verschiedenste Salate und Kräuter. Alle Produkte sind nach den Kriterien des ökologischen Landbaus erzeugt. Die Hagens freuen sich über eine gut verlaufene Saison, sind doch erst acht Monate vergangen, seit sie den Schritt in die Solidarische Landwirtschaft (SoLawi) gewagt haben. Schon bei der Infoveranstaltung im vergangenen November waren 30 von gut 80 Besuchern von dem Konzept begeistert. Sie waren mit im Boot, als Ende Februar bereits bei der ersten Bieterrunde das Jahresbudget erreicht wurde, die SoLawi mit 35 Ernteanteilen für 60 Personen an den Start ging.

“Nicht wachsen und sich verschulden“

Das Prinzip ist einfach und nachhaltig. Eine Gruppe von Verbrauchern schließt sich mit einem landwirtschaftlichen Betrieb zusammen, finanziert mit monatlichen Beiträgen die Produktion inklusive Lohnkosten und erhält dafür Ernteanteile. Das gibt dem Betrieb Sicherheit beim Wirtschaften und den Abnehmern Gewissheit, frische und saisonale Produkte aus der Region zu erhalten. Die Hagens haben nach dem Startschuss auf einer Ackerfläche nahe dem Hof ein 40 Meter langes und acht Meter breites Foliengewächshaus gebaut, das Gestänge dafür gebraucht erworben. Auf dem 1,2 Hektar großen Feld wurde ein halber Hektar mit Gemüse bebaut. Im Gewächshaus gibt es zu dieser Jahreszeit noch Tomaten und Paprika zu ernten, in langen Reihen wachsen Feldsalat, Asia-Salat und Postelein heran. Draußen stehen noch verschiedene Kohlsorten. Bohnen, Zuckermais, Kürbisse, Zwiebeln und der Großteil der Kartoffeln sind schon abgeerntet. Auch das Verwerten der Überschüsse klappt, sagt Sophia Hagen. Hat man doch gemeinschaftlich rund 1000 Gläser Zucchini eingemacht. Mal süß-sauer, mal als Zucchini-Chutney.

„Konsensdemokratisch“ nennt Landwirtschaftsmeister Markus Hagen die Form, in der von der Bietergemeinschaft beschlossen wird, was angebaut wird. Will heißen, es muss nicht jeder dafür sein, aber es darf niemand dagegen sein. Jeden Donnerstag ist vormittags Erntetag, nachmittags kommen Abholgemeinschaften und holen die Ernteanteile ab. Beweggrund für den Schritt in die Solidarische Landwirtschaft sei gewesen, dass man nicht mehr mitmachen wollte beim „Wachsen, Wachsen, Sichverschulden“, sagt Sophia Hagen, die Landwirtschaftswissenschaften an der Uni Hohenheim studiert hat. Für eine kleine Familie sei die SoLawi ein zusätzliches Standbein, bei dem man fast kein Risiko eingeht und „sehr viel zurückbekommt“. Zurückbekommt von Abnehmern, die in Stoßzeiten schon mal mit Hand anlegen. Solidarische Landwirtschaft schafft eben auch Verbundenheit miteinander, Verbundenheit mit den erzeugten Produkten.

Markus’ Eltern Petra und Richard, die im Sommer den Betrieb an die jungen Leute übergeben haben, bringen sich voll in die Arbeit mit ein. „Ohne ihre Unterstützung hätten wir das nicht geschafft“, sagt der Sohn. Schließlich läuft auch der Milchviehbetrieb weiter. Derzeit gibt es noch 49 Kühe. Deren Zahl wollen die Hagens etwas abbauen, auf eine extensivere Rasse umsteigen, die Milchwirtschaft irgendwann in die SoLawi integrieren. Auch Eier stehen auf der Wunschliste. Erste Kontakte für eine Kooperation mit der Solidarischen Hühnergemeinschaft, die in Scheidegg-Scheffau entstehen soll, sind bereits geknüpft.

Sollte die im Dezember stattfindende Bieterrunde fürs nächste Anbaujahr größer werden, ist das Feld groß genug, um mehr anzubauen. Und die gelernte Bio-Gemüsegärtnerin Bianca Oberwallner, die seit Sommer auf 450-Euro-Basis bei den Hagens arbeitet, könnte ihre Stunden aufstocken. Aber vielleicht sieht man ab 2018 auch ganz neue Gesichter auf dem Hof. Ist der Betrieb doch dann Mitglied bei „World-Wide-Opportunities on Organic Farms“. Über dieses weltweite Netzwerk finden freiwillige Helfer und ökologisch wirtschaftende Betriebe zusammen. Arbeit gegen Kost und Logis ist hier das Prinzip, und die Hagens freuen sich, auf diesem Wege neue Menschen kennenzulernen und Einblicke in andere Kulturen zu erhalten. Mit ihnen dürfte sich auch Josie freuen. Begrüßt die Border-Berner-Mischlingshündin doch heute schon jeden Besucher mit ausgesuchter Freundlichkeit.

Für Interessierte am SoLawi-Projekt und an dem nächsten Anbaujahr gibt es zwei Informationsveranstaltungen: Donnerstag, 9. November, 20 Uhr, in der Freien Schule Lindau; Montag, 13. November, 20 Uhr, in der Waldorfschule Wangen.

Quelle: http://www.schwaebische.de
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